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Es passierte alles davor. Bevor der ganze Alkohol versuchte, mich alles vergessen zu lassen. Oder zumindest einiges. Klappte nicht. Nie. Die Schulzeit war nicht immer einfach, wie wahrscheinlich für viele andere auch nicht.

Weißt du, wie es sich anfühlt? Als die Glocke klingelte und man gewartet hat, bis die anderen schon durch den Haupteingang ins Schulhaus hinein gegangen sind?

Die anderen, welche dich auslachten, weil du nicht die neusten Schuhe getragen hast? Dich Flachland nannten, da du mit 15 Jahren einfach noch keine Brüste hattest? Dich nicht für voll nahmen, weil du halt einfach fleissig und gut in der Schule warst?

Man die Treppe hinauf rannte wie eine Wilde, damit man doch noch pünktlich auf seinem Platz sass, bevor die Glocke ein zweites Mal erklang. Sonst hörte man es zu allem Übel noch vom Lehrer, man solle doch bitte zur rechten Zeit erscheinen..

Ich wollte einfach jeglicher solcher Konfrontationen aus dem Weg gehen. Über Wochen, Monate ging das immer so weiter. Wenn du dauernd hörst, dass du nichts wert bist, glaubst du irgendwann, dass du nichts wert bist. 

Noch heute denke ich manchmal, wieso mich die Leute anschauen. Bin ich zu dick? Passen meine Schuhe nicht zu meiner Jacke? Zu viele Muskeln für eine Frau? Und hätte ich vielleicht doch lieber eine Hose anstatt eines Rockes anziehen sollen?

Erstaunlich, wenn man immer noch solche kurze schwache Momente hat. Momente der Selbstzweifel. Nach all den Jahren, in denen ich eigentlich stärker wurde, selbstbewusster und über mich hinauswuchs. Und dann plötzlich schlägt es einem einfach zurück. Wieder auf den grauen Schulhausplatz. Die starrenden Blicke, Genuschel der Jungs und darauffolgendes Gelächter. So echt und doch so fern.

Man sieht sie genau vor sich, das Mädchen mit den grossen offenen Augen und erkennt doch den ängstlichen Blick, das gebrochene Herz, die leicht geknickte Haltung. Und sie trägt sich weiter. Immer weiter. Bis heute.